Worte, die wirken

Oft braucht es Einzelne, um Dinge zum Besseren zu verändern. Menschen, die couragiert für etwas eintreten und damit für viele etwas bewirken. Eine kleine Auswahl von Appellen, die Mut verlangten und Mut machten.

Letzte Worte

Hans Scholl: Es lebe die Freiheit

Die letzten Worte von Hans Scholl vor seiner Hinrichtung durch das NS-Regime am 22. Februar 1943. Hans Scholl und seine Mitstreiter*innen der Weißen Rose hatten seit Juni 1942 in insgesamt sechs Flugblättern zum Widerstand gegen das NS-Regime aufgerufen. Auch die anderen Mitglieder der studentisch-bürgerlichen Gruppe mussten ihre Haltung mit dem Leben bezahlen.

 

Sitzenbleiben

Der Bürgerrechtlerin Rosa Parks werden die Fingerabdrücke abgenommen
picture alliance / AP Photo

Die Rassentrennung in den USA galt bis in die 1960er Jahre in weiten Bereichen des öffentlichen Lebens, so auch in Bussen: Vorne waren Reihen für Weiße reserviert; den mittleren Abschnitt durften schwarze Personen benutzen, mussten hier aber die komplette Reihe räumen, sobald nur ein weißer Passagier dort sitzen wollte. Am 1. Dezember 1955 kam es genau dazu. Ein weißer Fahrgast verlangte die Räumung der reservierten Sitzreihe. Die schwarzen Fahrgäste gaben ihre Plätze auf – nicht jedoch die damals 42-jährige Rosa Parks (auf dem Foto bei der Abnahme ihrer Fingerabdrücke). Es war einer der Momente, die die schwarze Bürgerrechtsbewegung in Gang brachten und das Ende der Rassentrennung in den USA einleiteten.

 

Also fürchtet euch nicht!

Montagsdemonstration im September 1989 in Leipzig
picture alliance / W. Kumm

Mit Gewalt ist der Mensch durchaus zu ändern. Mit Gewalt lässt sich aus einem ganzen Menschen ein kaputter machen, aus einem freien ein Gefangener, aus einem lebendigen ein Toter. Beweise gibt es dafür viele [...] Wer Gewalt übt, mit Gewalt droht und sie anwendet, wird selbst Opfer der Gewalt. Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommen. [...]  Wer einen Gummiknüppel schwingt, sollte besser einen Schutzhelm tragen. Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege mehr.

„Also fürchtet euch nicht!“, so beendet Pfarrer Christoph Wonneberger seine Predigt am 25. September 1989 in der Leipziger Nicolaikirche. Sie ist der Auftakt für einen Höhepunkt der Montagsdemonstrationen, die seit dem 4. September im Anschluss an die Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche stattfinden: Die Menschen in der Nikolaikirche fassen sich an den Händen und stimmen das Protestlied „We shall overcome“ an. Singend gehen sie auf die Straße. Rund 7.000 sind es, mehr als je zuvor.

 

Sechs Minuten für die Ewigkeit

Die 12-jährige Kanadierein Severn Suzukin spricht 1992 vor der der ersten UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio

Hallo, ich bin Severn Suzuki und spreche für „ECO“ – die Environmental Children’s Organization (Umwelt-Kinderorganisation). Wir sind eine Gruppe von 12- und 13-Jährigen, die etwas verändern wollen: Vanessa Suttie, Morgan Geisler, Michelle Quigg und ich. Wir haben das gesamte Geld für diese Reise selbst gesammelt, um hierherzukommen, 8.000 Kilometer weit zu reisen und Ihnen Erwachsenen zu sagen: Ihr müsst eure Gewohnheiten ändern. Ich stehe heute hier ohne versteckte Absichten. Ich kämpfe für meine Zukunft. Meine Zukunft zu verlieren ist nicht dasselbe, wie eine Wahl oder ein paar Punkte an der Börse zu verlieren. Ich bin hier, um für alle kommenden Generationen zu sprechen. Ich bin hier, um im Namen der hungernden Kinder auf der ganzen Welt zu sprechen, deren Rufe ungehört bleiben. Ich bin hier, um für die unzähligen Tiere zu sprechen, die überall auf diesem Planeten sterben, weil sie keinen Platz mehr haben, an den sie fliehen können. […] Musstet ihr euch in meinem Alter über solche Dinge Sorgen machen? All das geschieht direkt vor unseren Augen, und dennoch handeln wir, als hätten wir unbegrenzt Zeit und bereits alle Lösungen. Ich bin nur ein Kind und habe nicht alle Antworten. Aber ich möchte, dass ihr erkennt: Ihr habt sie auch nicht. Ihr wisst nicht, wie man die Löcher in der Ozonschicht repariert. Ihr wisst nicht, wie man die Lachse in einen toten Fluss zurückbringt. Ihr wisst nicht, wie man eine ausgestorbene Tierart wieder zurückholt. Und ihr könnt die Wälder nicht zurückbringen, die einst dort wuchsen, wo jetzt eine Wüste ist. Wenn ihr nicht wisst, wie man etwas repariert, dann hört bitte auf, es kaputt zu machen.

Auszug aus der sechsminütigen Rede der damals 12-jährigen Kanadierin Severn Suzuki am 14. Juni 1992 auf der ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. Mehr als ein Vierteljahrhundert vor Greta Thunbergs berühmter Rede „How dare you?“ beim UN-Klimagipfel in New York sprach Suzuki so eindringlich über die Grenzen des Wachstums und die Ressourcenausbeutung der Erde, das sie als „das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte“ bekannt wurde.

Zur vollständigen Rede von Severn Suzuki

Man(n) muss nicht hart sein

Chimamanda Ngozi Adichie bei ihrem TED-Talk-Auftritt 2012

Heute fordere ich Sie auf anzufangen, von einer anderen, gerechteren Welt zu träumen und sie vorzubereiten – eine Welt der glücklicheren Männer und glücklicheren Frauen, die sich selbst treuer sind. So fangen wir an: Wir müssen unsere Töchter anders erziehen. Auch unsere Söhne müssen wir anders erziehen. Wir schädigen Jungs mit unserer Erziehung, wir unterdrücken ihre Menschlichkeit. Wir definieren Männlichkeit in sehr engem Rahmen. Männlichkeit wird zu einem harten, engen Käfig, in dem wir Jungs einsperren. Wir lehren Jungs, Angst vor der Angst zu haben. Wir lehren Jungs, sich vor Schwäche und Verletzlichkeit zu fürchten. Wir lehren sie, ihr wahres Ich zu verbergen, weil sie, wie man in Nigeria sagt, ein „harter Mann“ sein müssen. […] Wir tun Jungs mit Abstand das Schlimmste an, wenn wir ihnen das Gefühl geben, hart sein zu müssen, und ihnen damit ein zerbrechliches Ego mitgeben. Je mehr sich ein Mann gezwungen sieht, ein „harter Mann“ zu sein, desto schwächer ist sein Ego. Daneben schaden wir Mädchen noch mehr, da wir sie dazu erziehen, den schwachen Egos der Männer zu schmeicheln. Wir lehren Mädchen, sich selbst kleiner zu machen, wir sagen ihnen: „Du kannst Ehrgeiz haben, aber nicht zu viel davon. Du solltest nach Erfolg streben, aber nicht zu sehr, denn ansonsten bedrohst du den Mann.“  Wenn die Frau in der Beziehung mit einem Mann das Geld heimbringt, muss sie vortäuschen, es nicht zu tun, besonders in der Öffentlichkeit, ansonsten entmannt sie ihn.   Aber was passiert, wenn wir die Voraussetzung selbst hinterfragen, warum der Erfolg einer Frau eine Gefahr für den Mann sein sollte? Was, wenn wir beschließen, dieses Wort einfach zu beseitigen?  Ich glaube nicht, dass es ein Wort gibt, das ich weniger mag als  „Entmannung“.

Auszug aus der Rede von Chimamanda Ngozi Adichie beim TED Talk am 1. Dezember 2012. Die nigerianische Schriftstellerin hinterfragt in einem humorvollen, persönlichen und wegweisenden Vortrag die aktuellen Geschlechterrollen. Dabei bezieht sie sich vor allem auf ihre Heimat, eröffnet aber auch eine weltweite Debatte über Feminismus.

Zur vollständigen Rede von Chimamanda Ngozi Adichie